Fr05242013

Last update12:02:00 AM

Back Aktuelle Seite: Home Deutschland Bayern & Deutschland News Berlin 700.000 Teilnehmer/Besucher und ein Neugeborenes beim Berliner CSD

700.000 Teilnehmer/Besucher und ein Neugeborenes beim Berliner CSD

Rund 700.000 Teilnehmer und Besucher schätzt der Veranstalter bei der gestrigen CSD-Parade und dem Abschlußfest in Berlin. Um den politischen Charakter der Veranstaltung zu unterstreichen, wurde heuer die Route geändert. Die Polizei fungierte als Geburtshelfer, weil eine werdende Mutter nicht rechtzeitig ins Krankenhaus kam.

Der Zug selbst bestand neben den Tausenden Teilnehmern - die Veranstalter sprechen von rund 700.000 Teilnehmer/-innen und Zuschauer/-innen - aus 40 Trucks und Fahrzeugen. Neben den politischen Parteien (SPD, Die Grünen/Bündnis 90, FDP und Piraten) hatten sogar die Botschaften aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten und der Niederlanden eigene Wägen gestaltet. Anders als in Wien nahmen in Berlin auch die Veranstalter der offiziellen After-Partys mit Trucks teil.

Bei allem Spass und Showcharakter ist eine CSD-Parade natürlich in erster Linie auch eine politische Demonstration. Schon im Motto wurde heuer mit 'Wissen schafft Akzeptanz' darauf hingewiesen. Das britische Computergenie Alan Turning, dessen Geburtstag sich heuer zum 100. Mal jähren würde, wurde bekanntlich in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wegen seiner Homosexualität von den britischen Behörden verfolgt, 'behandelt' und dadurch in den Selbstmord getrieben (wir berichteten hier). Homosexualität galt damals - wider heutigen Wissens - nämlich noch als 'Krankheit' und war strafbar.

Um auf die noch heute bestehende politische Verfolgung und Diskriminierung Homosexueller in Russland - beispielsweise durch das Verbot der CSD-Paraden und dem Gesetz des 'Verbots der Werbung für Homosexualität' - wurde zudem heuer die Route verändert. Sie führte heuer von der Gitschiner Straße in Berlin-Kreuzberg an der SPD-Parteizentrale und dem Berliner Abgeordnetenhaus vorbei zum Mahnmal für verfolgte Homosexuelle. Über den Potsdamer Platz und dem Reichstag ging es dann zur russischen Botschaft, wo die Teilnehmer lautstark ihren Unmut über die Homophobie der russischen Behörden kundtaten. Die Parade endete dann wie immer am Brandenburger Tor (wir berichteten hier).

Dort fand dann - unter tatkräftiger Unterstützung aus Österreich durch Christine Hödl und Conchita Wurst - das große CSD-Finale statt. Bis Mitternacht feierte man mit zahlreichen Showacts, aber auch mit politischen Reden und der Vergabe der Zivilcouragepreise auf der Hauptbühne. Unter den Festrednern waren u.a. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der russische LGBT-Aktivist Nikolai Baev oder Bundesverfassungsrichterin Christine Lüders.

Wohl wenig Interesse am aktuellen Tagesgeschehen zeigte ein 33-jähriger Mann in Berlin-Kreuzberg. Obwohl seit Monaten durch ziemlich alle Medien bekannt ist, dass die Berliner CSD-Parade heuer mitten in Kreuzberg auf der Gitschiner Straße startet, wollte der Mann gegen 14:40 Uhr ausgerechnet diese für den Transport seiner hochschwangeren Frau ins Krankenhaus nützen. Im Auto bekam die Frau dann prompt die Wehen und der an der Weiterfahrt über die Gitschiner Straße gehinderte künftige Vater wandte sich hilfesuchend an zwei Polizeibeamte des Polizeiabschnitts 41. Die 40-jährige Polizeioberkommissarin sowie ihr 47 Jahre alter Kollege, der auch ausgebildeter Rettungssanitäter ist, sahen die schreiende 25-Jährige künftige Mutter. Während sich die Beamtin um den aufgeregten 33-jährigen kümmerte, nahm sich der Polizeikommissar der Schwangeren an. Nachdem die Abstände zwischen den Wehen kürzer geworden waren und die Fruchtblase bereits geplatzt war, betreute und unterstützte der Beamte den Geburtsvorgang. Kurz darauf gebar die Frau ein Mädchen, das von dem Polizisten erstversorgt und den wenige Minuten später eintreffenden Rettungskräften der Feuerwehr übergeben wurde. Mutter und Kind kamen wohlauf ins Krankenhaus.